Die Sache mit der Angst

1 Okt

Emily ist und war schon immer ein sehr spezielles Kind. Jedenfalls wenn ich den Aussagen meiner Mutter glauben darf, denn wir waren nie so 🙂

Als Emily geboren wurde waren wir selig. Sie war und ist ein reines Wunschkind. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass Emily ein etwas anstrengendes Kind ist. Sie war von der ersten Nacht an ein schlechter Schläfer. Meine Mutter nannte ihren Schlaf „Hasenschlaf“, denn sie schlief immer mit einem offenen Auge, damit sie ja nichts verpasst und immer kontrollieren konnte, dass sie auch ja nicht alleine war. Das „Problem“ hatten wir mit ihr immer. Schlaf war und ist nicht ihr Ding. Das Einschlafen und die dazugehörigen Dramen, haben uns hier schon so manchen Nerv geraubt. Wir haben es versucht mit Hand halten und am Bett sitzen, bis sie schläft. Dann mit ins Bett bringen, 5 Minuten da bleiben und dann raus gehen oder die etwas härtete Gangart. Schreien lassen, reingehen, schreien lassen. Das Ende vom Lied war, mal funktionierte das Eine, mal funktionierte das Andere und wir waren jedes mal so schlau wie vorher. War Emily mal krank wurde es mit dem Einschlafen richtig schlimm. Es konnte abends Stunden dauern bis sie schlief und manchmal schlief sie nur, wenn sie meinen Hals umklammerte. Bei 30 Grad im Sommer war das für mich die Hölle! Aber irgendwie versucht man ja alles, damit es irgendwie für alle erträglich ist. Zwischendurch hat das mit dem Einschlafen ja auch schon mal super geklappt. Abendritual mit singen am Bett und raus gehen. Klappe zu Affe tot. Nach einer gewissen Zeit ging aber das Theater wieder von vorne los. Im Prinzip habe ich auch nichts dagegen am Bett zu sitzen und ihr beizustehen, aber es geht nun mal nicht immer. Den größten Teil der Hausarbeit kann ich nur abends machen, denn Emily ist auch tagsüber sehr fordernd, so dass ich es in den letzten drei Jahren nicht ein einziges Mal geschafft habe während ihrer Anwesenheit zu bügeln oder aufwändige Gerichte zu kochen. Das geht erst, wenn sie im Bett ist. Außerdem ist da jetzt die kleine Schwester und die braucht abends auch mal ein wenig mehr Aufmerksamkeit, auch wenn sie schon sehr genügsam ist.

Bis vor kurzem machte Emily jedes Mal ein heiden Theater, wenn sie merkte, dass man nun ihr Zimmer verlassen wollte. Jetzt aber wird sie richtig weinerlich und verzieht dabei herzzerreißend das Gesichtchen. Mit bebender Unterlippe und glasigen Augen. Ja was willste denn da machen? Da kann man nicht einfach raus gehen. Heute Abend sagte sie mir dann ganz deutlich „Mama ist habe Angst, wenn Du raus gehst!“ Ich fragte sie dann, warum und wovor sie denn Angst hätte. Sie erklärte mir, dass sie Angst vor dem bösen Mann hätte. Der käme dann rein und würde erst ihr Bett und dann das ganze Haus kaputt machen und dann hätten wir kein Ort mehr, an dem wir unsere Jacken aufhängen könnten. Ich erklärte ihr dann, dass hier aber niemand rein käme, der keinen Schlüssel hätte und dass der Gatte und ich ganz soll auf sie und ihre Schwester aufpassen würden. Ich musste ihr ganz oft erklären, dass sie hier zu Hause ganz sicher ist und alles gut ist. Etwas skeptisch ließ sie mich dann gehen, denn ich sagte ihr auch, dass ich sie ja über das Babyphone hören könnte, wenn sie mich braucht. Sie sagte mir dann, dass wir aber jetzt ganz schnell die Haustür abschließen sollten. Also ging ich nach unten und wartete, dass sie nach mir schrie, aber da kam nichts. Der Gatte schloss auch sehr geräuschvoll die Haustür ab. Nach ein paar Minuten sagte sie dann nur, dass ihre CD zu Ende sei. Ich antwortete ihr über das Babyphone, dass sie dann jetzt schlafen könne. Die CD bliebe jetzt aus und ich käme gleich noch mal nach oben. Es kam komischer Weise kein Protest und so kochte ich meinen Eintopf fertig und ging dann nach oben. Emily lag derweil tief schlafend im Bett…

Ich habe keine Ahnung warum Emily so eine Angst hat alleine ein zu schlafen. Manchmal schafft sie es aber dennoch. Und an manchen Tagen ist sie auch tagsüber so ängstlich. Heute war ich nur kurz am Auto und sie war mit der Oma, der Tante und den Cousins im Haus und sie heulte in den zwei Minuten Rotz und Wasser und behauptete immer, dass ihre Mama jetzt weg sei. Ich habe dieses Kind noch niemals alleine gelassen, sie irgendwo vergessen abzuholen oder sonstiges. Warum also hat Emily manchmal eine so panische Angst? Ist das normal? Ich habe mitte Oktober einen Termin beim Kinderpsychologen. Den werde ich mal all diese Dinge fragen, aber ich denke mir mal, dass er sagen wird, dass das alles normal ist, aber ich will nicht, dass meine Tochter Angst hat. Wir sind doch immer für sie da! Ich habe manchmal echt die Befürchtung, dass wir was falsch gemacht haben. Eltern sein ist echt ganz schön schwer.

Advertisements

8 Antworten to “Die Sache mit der Angst”

  1. labellavitabutterfly 2. Oktober 2012 um 08:24 #

    Emi geht doch in den Kindergarten,vielecht haben sie da ja ein Märchen erzählt und Emi hat sich davon erschreckt?Oder sie hat irgend eine Unterhaltung (auf der Straße ect.)mitbekommen über einen bösen Mann?
    Jerome schläft seit dem Tiara da ist sehr schlecht ein. Immer muss hand gehalten werden,im Raum geblieben und auch nachts wacht der immer wieder auf und schreit nach mir…kann dich also im Moment sehr gut verstehen.. alles gute dir 🙂

  2. Maracaya 2. Oktober 2012 um 09:11 #

    Ich hatte als kleines Kind auch Angst beim Einschlafen. Bei mir half ein „Aufpasslaempchen“, das war ein Laempchen, welches mit grossem Brimborium von meinem Vater an der Tuer installiert wurde und fortan jeden Abend, wenn ich zu Bett ging, eingeschaltet wurde. So war es immer recht hell im Zimmer und das Aufpasslaempchen hat auf mich aufgepasst, und ich konnte ab da allein einschlafen.
    Vielleicht hilft so was aehnlichliches bei Euch ja auch? Oder so was wie der Beschuetzmichhund bei Lauras Stern?
    (Der halbe Grieche schlaeft uebrigens immer noch bei mir im Bett und schlaeft nur ein nachdem ich mich ne halbe Stunde mit dazugelegt habe, aber bei uns isses auch einfacher weil er Einzelkind ist. Wenn ich nicht da bein und der Papa ihn ins Bett bringt, klappt das ganze auch voellig ohne vorlesen und dazulegen >.<).

  3. sommerelfe 2. Oktober 2012 um 11:43 #

    Hast du diese kleinen leuchtenden Männchen bei Mama Miez gesehen? Vielleicht kann man ihr erzählen, dass der auf sie aufpasst?

    • frauaehrenwort 2. Oktober 2012 um 20:11 #

      Ja habe ich und finde es im Prinzip auch toll, aber das Ding soll 99 Euro kosten und das finde ich echt übern Punkt. Das ist reine Geldmacherei. In der Herstellung kostet das Ding keine 5 Euro.

  4. Kassiopeia 2. Oktober 2012 um 22:20 #

    Ich kann gar nicht sagen wie oft ich in den Jahren mit Zoe, gerade in den ersten an einem Punkt war, wo ich dachte ich würde es allein nicht mehr schaffen, etwas unüberwindbar schien, mir Hilfe holen wollte oder zumindest nur hören, dass es normal sei, was wir da alle erlebten. Und diese Gefühle hatte ich schon bei jedem Kind, nur bei ihr war alles das erste Mal. Sie war und ist immer noch etwas Besonderes. Weil sie sie ist und weil sie die Erstgeborene ist. Wir werden da so rein geschubst ins Elternsein und wissen gar nicht was wir tun sollen, es geht ja nicht nur um Ernährung und ums Überleben, sondern da ist plötzlich dieser kleine Mensch, den wir ja im Grunde kennen und dann wieder nicht, für den wir Sorgen sollen. Und dieser kleine Mensch, spricht ja erstmal nicht.
    Ich kann nicht sagen wieso, es ist wohl eher Zufall, dass wir aus diesen Zeiten in denen ich dachte, nicht mehr weiter zu wissen heraus stolperte und in die nächste Phase hinein plumpste.
    Ich denke, es kann nie schaden, eine Meinung einzuholen. Aber du hast dein Kind so wunderbar im Blick, ihr Sein, ihr Tun und ihre Ängste und Sorgen und das wird sie spüren. Dass du sie sehen kannst, wie sie ist. Und vielleicht ist das schon der Schlüssel zum Glück?

    • frauaehrenwort 3. Oktober 2012 um 00:53 #

      Kaum hatte ich den Eintrag geschrieben wurde es schlagartig besser. Vielleicht auch, weil ich durch das Niederschreiben einen anderen Blickwinkel auf die ganze Sache bekommen habe. Ruhiger werde, es besser verstehe. Heute Abend z.B. hat sie wieder von ihrer Angst erzählt und ich fragte wieder nach, wovor sie den Angst hätte und sie erzählte ziemlich wirres Zeug und sie hatte plötzlich vor einem bösen Mann aus dem Dorf Angst. Sie konnte aber nicht sagen welches Dorf und da war dann auch eine böse Frau. Und plötzlich fielen Namen von Märchengestalten. Ich nehme mal an, dass ihr kleines Gehirn alles miteinander vermischt und sie einfach eine diffuse Angst hat wie alle kleinen Kinder es hin und wieder haben. Ich gebe ihr abends ganz viel Ruhe und Sicherheit und auf einmal kann sie doch allein im Bett liegen. Mit Nachttischlampe am Fenster an und Tür offen. Das muss sein, aber immerhin macht sie kein Theater mehr. Auch wenn es nach wie vor erig dauert bis sie einschläft, aber immerhin kann ich zwischendurch was machen und gehe nur hoch, wenn sie es da zu bunt treibt.

  5. Blogolade 4. Oktober 2012 um 14:50 #

    Emi und mein Töchterchen scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Sei für sie da, nimm ihre Ängste Ernst und zwing sie nicht, etwas zu tun wovor sie Angst hat oder was sie partout nicht will. Dann wird sie irgendwann gestärkt und von sich aus, ohne Aufforderung, ihre Welt entdecken.

    • Frau Ährenwort 4. Oktober 2012 um 20:22 #

      Genauso machen wir es. Wenn wir sie zu etwas zwingen wird es eh schlimmer und die Angst steigt. Wir sind geduldig und versuchen es immer wieder, dass sie auch mal alleine schläft, aber bevor sie Angst kriegt oder weint, bleiben wir lieber bei ihr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: