Die Phasen des Stillens

13 Aug

Man hat ja irgendwie immer das Bild aus der Werbung mit der glücklich stillenden Mutter und dem freundlich lächelndem Baby im Kopf. Das die Wirklichkeit anders aussieht, stellt man erst fest, wenn man selber ein Baby hat.

Phase 1: Nach der Geburt wird das Baby sofort angelegt, damit es das Kolostrum trinken kann und die Milchbildung angeregt wird. Man ist total glücklich, dass das Baby gleich los schmatzt und anscheinend auch schon so was wie Milch kommt. Wer Glück hat produziert einfach stetig mehr Milch und wer Pech hat bekommt einen fiesen Milcheinschuß, hat Schmerzen und bekommt im schlimmsten Fall Fieber.

Phase 2: Wenn man dann langsam genügend Milch hat, so dass das Baby mal länger als 20 Minuten satt ist, fangen die Br.ust.warzen an zu zicken. Wenn das Baby die Technik noch nicht richtig drauf hat und an der Brust zutzelt wie an einer bayrischen Weißwurst, dann hat man rucki zucki wunde Br.ust.warzen. Allein bei dem Gedanken, dass das kleine hungrige Baby gleich wieder die Br.ust.warzen malträtiert, stellen sich einem die Nackenhaare auf und man denkt darüber nach wie es wäre jetzt einfach eine Flasche warm zu machen. Man schmiert also diverse Cremes der Hebamme drauf und packt sich zwischendurch Kompressen auf die wunden und blutigen Stellen.

Phase 3: Das Baby schubt und trinkt wie irre und regt damit die Milchproduktion enorm an. Man könnte ohne Probleme Drillinge satt kriegen und ist stolz, dass 1. die Br.ust.warzen nicht mehr blutig sind und 2. Das Baby endlich wieder in größeren Abständen trinkt, was aber wiederum zur Folge hat, dass der erste Milchstau droht. Die Br.üste sind heiß und knubbelig und wenn das Baby trinken will, schießt ihm die Milch förmlich in den Rachen, so dass es sich verschluckt und dann vor Wut nur noch die Brust anschreit und nicht mehr trinken will. Man muss also vor dem Anlegen ausstreichen oder abpumpen und dazwischen Quark- oder Kohlwickel machen und Ibuprofen gegen die Schmerzen und das Fieber nehmen. Wer schon ein größeres Kind hat quält sich durch den Tag, wer Erstlingsmama ist, kann sich wenigstens mit dem Baby ins Bett legen, denn bei Milchstau bekommt man als erstes Bettruhe verordnet.

Phase 4: Das ist die entspannendste Zeit des Stillens. Das Baby kann jetzt auch mit großen Mengen Milch umgehen. Die Milchmenge hat sich perfekt dem Bedürfnis des Babys angepasst und man stillt zu jeder Tages- und Nachtzeit total entspannt. Bis der nächste Schub oder die Zähne kommen. Allerdings werden die Nächte jetzt teilweise einfach mal durchgeschlafen und damit kommt die Brust natürlich nicht klar. Morgens hat man Brü.ste so groß wie Melonen und betet, dass das Baby gleich von alleine wach wird und schnell den Druck weg trinkt, bevor wieder ein Milchstau kommt. Ach ja und es wäre schön mal wieder ohne BH schlafen zu können, aber wenn man dieses versucht, dann schwimmt man schnell in Milch und man will ja nicht jeden Tag das Bett neu beziehen. Also lässt man den BH einfach an.

Phase 5: Das Stillen wird wieder schwieriger. Das Baby ist jetzt 4,5 Monate alt und nimmt seine Umwelt schon super wahr. D.h. aber auch während des Stillens und stillen ist jetzt langweilig. Es ist doch viel interessanter, was gerade hinter einem passiert. Z.B. dass die große Schwester singt, tanzt, hüpft. Da wird die Bru.st.warze schon mal so lang gezogen, dass man auch noch trinkend hinter der großen Schwester hergucken kann. Überhaupt wird jetzt viel an der Bru.st gedamelt. Wenn das Baby sehr hungrig ist sieht das schon ziemlich beängstigend aus. Mit weit aufgerissenem Mund nähert sich Babys Kopf der Bru.st und schnappt dann brutal zu. Die Brustwarze wird gefühlt bis in den Magen gesaugt und schon merkt man wie ein Messerstich, dass die Milch läuft und zwar nicht nur an der gerade angezapften Seite. Und wie die Milch läuft! Das Baby schluckt wie ein Weltmeister, wird immer hektischer und rudert mit allen Extremitäten. Die Arme und Beine fliegen vor Streß und Anstrengung herum und auch mal in Mamas Gesicht. Die Armbewegung erinnert dabei schonmal an eine eine chinesische Winkekatze. Babys Motto lautet jetzt „Nur nicht los lassen!“. Schlucken im Akkord. Man will ja nicht einen einzigen Tropfen vergeuden. Und hey, da hinten war doch auch wieder was interessantes los! Also wird dabei auch noch der Kopf verdreht. Dass dabei die Br.ust.warze fast abreißt ist ja wurscht. Hauptsache die Milch läuft. Sobald die Milch gemäßigter läuft, wird auch das Baby ruhiger. Der oben liegenden Arm rudert jetzt nur noch ein bisschen und findet immer wieder eine Haarsträhne, die man ausreißen kann oder das TShirt von Mama, da kann man den Ausschnitt prima ausleiern. Wenn das Baby dann gaaanz langsam müde wird fängt es an sich selber die Haare zu zwirbeln oder greift Mamas dargebotenen Finger und versucht diesen zu zerquetschen. Wenn der Magen voll ist lässt man einfach den Kopf nach hinten fallen, um zu demonstrieren, dass man fertig ist. Sobald Mama einen hoch nimmt, wird gerülpst, dass Mama der Pony wegflattert und schon kippt der Kopf wieder nach vorne auf Mamas Schulter und man schläft seinen Rausch aus. Aber dafür darf man jetzt auch wieder ohne BH schlafen 🙂

Der geneigte Leser erkennt also, dass es nicht einfach ist ein Baby zu stillen, aber es gibt auch nichts Schöneres auf der Welt und ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich meine beiden Töchter mit meiner Milch ernähren konnte und es bei der kleinen Maus auch noch weiterhin kann. Dieser Text ist also mit einem Augenzwinkern zu verstehen 🙂

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16 Antworten to “Die Phasen des Stillens”

  1. Sabrina 13. August 2012 um 23:10 #

    ganz köstlich geschrieben ^^ Aber es fehlt noch das Fletschen lassen und die folgene Milchtaufe mit der man von mal zu mal weitenrekorde brechen kann

    • frauaehrenwort 13. August 2012 um 23:14 #

      Oh ja, das hatte ich vergessen. Lang ziehen und dann „flitsch“ ist die Mama und die Umgebung voller Mich und das Baby grinst auch noch frech dazu 🙂

      • Sabrina 13. August 2012 um 23:58 #

        oh ja das freche grinsen XD oder aber der erschrockene blick weil kind selber voller milch ist und es von der nase tropft *g*

  2. Lady Llynya 13. August 2012 um 23:24 #

    Jup, dass passt. Für meinen Geschmack fehlen noch die Spuck- und Nörgelattacken beim Trinken. Ist das was tolles, die Brust mal wieder so richtig zu verschreien.

    • frauaehrenwort 13. August 2012 um 23:55 #

      Ja das Nörgeln an der Brust ist auch schön 🙂

  3. Schlawinerle 13. August 2012 um 23:33 #

    Herrlich, ich hab Lachtränen in den Augen. Wir sind aktuell auch in Phase 5. 😉

    • frauaehrenwort 13. August 2012 um 23:55 #

      Dann weißt Du ja Bescheid 🙂

  4. jademond 14. August 2012 um 09:22 #

    Da fehlte noch, wenn das Baby die Brust ansaugt und dann wieder loslässt und die Milch rausschiesst und alles umliegende besudelt 😉 Besonders hübsch in der Öffentlichkeit.

    • frauaehrenwort 15. August 2012 um 20:53 #

      Genau und man hat gerade kein Spucktuch zu Hand 🙂

  5. freudefinder 14. August 2012 um 09:45 #

    köstliche beschriebene Phasen, die aber trotzdem die Nähe und Wärme erahnen lassen, die in dieser Zeit so herrlich sind.

    • frauaehrenwort 15. August 2012 um 20:53 #

      Ja es ist die schönste Zeit!

  6. Knoetchen 14. August 2012 um 13:53 #

    Du hast was vergessen:

    Phase 6.
    Das Kind zahnt verstärkt. Um den Druck im Kiefer abzubauen versucht es, die Br.us.t.warz.en mit den teilweise gerade durchs Zahnfleisch schießenden Spitzen zu lochen.. Dies ist eine sich wiederholende Phase, bis alle Schneide- und Eckzähne durch sind.

    Phase 7.
    Dem Kind ist es egal, ob da in der Br.ust.warz.e nach 20 Minuten keine Milch mehr ist. Es wird weitergenuckelt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag (oder bis Mama die Faxen dicke hat.)

    • frauaehrenwort 14. August 2012 um 14:43 #

      Phase 6 ist noch nicht eingetreten, obwohl sie schon zwei Zähne im Durchbruch hat, dafür ist Phase 7 Gang und Gäbe 🙂 Schnullerersatz nennt man das 🙂

      • Knoetchen 14. August 2012 um 20:30 #

        Ne, Schnullerersatz kann das nicht sein, denn der Schnuller ersetzt ja die Brust und nicht anderherum 😉

  7. labellavitabutterfly 14. August 2012 um 19:04 #

    ich bin wirklich sehr sehr froh das ich fast nicht´s der sachen oben durchmachen musste^^ aber dafür hat die kleine einen sehr empfindlichen magen,wenn ich was falsches gegessen habe ist der abend gelaufen…

  8. frauagi 14. August 2012 um 21:53 #

    genau so. ja, stillen war nett. aber jetzt bin ich ehrlich gesagt auch einfach froh, dass mein kleines männlein abgestillt ist. 😉

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